Michael Rosenzweig über den Club und die Bundesliga...

Die Lage der Liga...

20.02.2012 11:19 | Michael Rosenzweig

Der Rubikon, ein eigentlich kleiner und unbedeutender italienischer Fluss, war in den letzten Tagen einmal mehr in aller Munde. Unser inzwischen zurückgetretenes Staatsoberhaupt hatte das bekannte Sprichwort von der Überschreitung des Flusses in einer ungeschickten Drohung gegen den Chefredakteur der Bild-Zeitung verpackt und damit selbst den Rubikon überschritten.

Denn eigentlich bezieht sich der Ausspruch auf die Heeresbewegung über besagten Fluss, mit der Iulius Caesar im Jahre 49 v. Chr. dem römischen Senat den Krieg erklärte. Caesar soll diesen unumstößlichen Schritt mit den Worten „alea iacta est“ kommentiert haben – Übersetzung überflüssig. Noch heute steht das „Überschreiten des Rubikon“ sprichwörtlich dafür, wenn man sich unwiderruflich auf ein Risiko einlässt.

Und eben an dieser Stelle drängt sich die Verbindung zur Fußball-Bundesliga auf. Denn noch am 22. Spieltag erweist sich der Überlebenskampf am Ende der Tabelle als das reinste Schneckenrennen. Unerwartete Befreiungsschläge? Fehlanzeige! Der Start einer vielbeschworenen Serie? Bislang nicht zu erkennen! Offensichtlich ist der Startschuss zum sogenannten Abstiegskampf noch nicht gefallen. Von Kämpfen, Kratzen, Beißen und dem sprichwörtlichen Grasfressen im Tabellenkeller ist zumindest noch nicht viel zu erkennen, und so ist es kein Wunder, dass noch mehr als die Hälfte der Liga in mehr oder weniger akuter Abstiegsgefahr schwebt. Die Spieltage werden weniger, der Zwang zum „Alles oder Nichts“ rückt näher.

Den Rubikon überschritten hat in meinen Augen zumindest der SC Freiburg. Ein für die Breisgauer untypischer Trainerwechsel erhob den bislang unbekannten Christian Streich zum Cheftrainer. Top-Stürmer Cissé wurde verkauft, der Fokus auf junge hungrige Spieler gelegt, das Kollektiv zum Star ernannt. Und der SC kämpft: Punkt gegen Bremen, starker Auftritt gegen Freiburg, Punkt gegen Bayern. Freiburg hat die Zeichen der Zeit erkannt und wird mit dieser Leistung bald schon das Tabellenende verlassen. Dort wiederfinden wird sich dagegen der FC Augsburg. Einmal mehr hat die Mannschaft von Jos Luhukay zu brav und harmlos agiert. Sicher, gegen Leverkusen darf man als Abstiegskandidat verlieren, die drei Unentschieden aus den fünf bisherigen Rückrundenpartien werden aber nicht ausreichen. Augsburg ist für mich Abstiegskandidat Nummer eins, gefolgt vom 1.FC Kaiserslautern, der trotz einer gesunden Einstellung und Moral in der Offensive einfach zu schwach besetzt ist, um größere Schritte zu gehen.

Und sonst? Bliebe noch die Berliner Hertha mit dem desaströsen Rückrundenstart von fünf Niederlagen. Nach dem Skibbe-Intermezzo heißt der letzte Berliner Strohhalm nun Otto Rehhagel. Und auch wenn dieses Engagement kurzfristig und überraschen kommt, sagt mir mein Gefühl, Rehhagel und die Hertha – das passt. Auch für die Berliner könnte sich das personelle Lotteriespiel am Ende also doch noch Lohnen. Mainz, Köln, unser Club, oder vielleicht doch der HSV, Hoffenheim, Stuttgart oder Wolfsburg? Die Liste der Unglücklichen in der Zweiklassengesellschaft Bundesliga ist lang, und mit zwei oder drei Niederlagen in Folge ist man schnell wieder im Geschäft. Dann erfasst einen der Strudel, der die Unvorbereiteten gnadenlos in den Abgrund zieht. In meiner derzeitigen Wahlheimat habe ich das mahnende Beispiel direkt vor Augen: die Frankfurter Eintracht in der vergangenen Saison. Nach 17 Spielen auf Platz sieben mit 26 Punkten, nach 22 Spielen bereits auf dem zwölften Rang (27 Punkte), am Ende vernichtend abgestiegen. Das Beispiel zeigt, im Abstiegskampf zählt nicht nur jeder Punkt, sondern vor allem die richtige Einstellung. Wer sich nur auf spielerische Elemente verlässt, ist schnell verlassen. Wer nicht grundlegende Punkte wie Disziplin, Härte und Willen in die Waagschale wirft, wird gnadenlos abgestraft.

Und trotz des Punktes gegen den Rekordmeister ist nicht der SC Freiburg der große Sieger des 22. Spieltages, sondern unser Club! Das 2:1 gegen den 1.FC Köln war ein verdienter „Bigpoint“. Umso erfreulicher war bei diesem Sieg die Erkenntnis, dass die Mannschaft verstanden zu haben scheint, um was es in der derzeitigen Situation geht. Mit weiteren Leistungen wie gegen Augsburg, mit den zwei (Halbzeit-)Gesichtern in jedem Spiel, ohne Plan und Orientierung hält man nicht die Klasse. Am Samstag gegen Köln kämpften die Franken nicht nur gegen einen Gegner, sondern auch gegen eigene Unzulänglichkeiten. Schwächere Leistungen von Chandler oder Hegeler wurden durch umso stärkere Auftritte von Feulner, Balitsch oder Maroh kompensiert. So funktioniert Abstiegskampf! Und wenn man in Betracht zieht, wie die Mannschaft auch nach dem Schlusspfiff noch „Goldköpfchen“ Pekhart zum entscheidenden Treffer gratulierte, verlässt einen auch wieder dieses mulmige Gefühl, dass in der Mannschaft etwas nicht stimmen könnte.

Aber Achtung! Auch wenn der Club diese Runde gewonnen hat, das Ziel ist noch nicht erreicht, der Rubikon nicht überschritten. Gegen Bremen, Gladbach und Mainz begann in der Hinrunde der Abwärtstrend unseres Clubs. Auch wenn am Ende vielleicht schon 36 Punkte zum Klassenerhalt reichen, muss diese Marke erst einmal erreicht werden. Denn vielleicht begreift die Konkurrenz schon am nächsten Spieltag den Ernst der Lage!

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