CEF Kolumnen

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Die CEF Bundesliga-Kolumne...

Der 32. Spieltag – Mahnende Beispiele

Es erscheint wie eine ganz besonders aparte Ironie des Fußballsports, dass Spiele immer gerne dann verloren gehen, wenn man sich bereits vor dem Anpfiff als sicherer Sieger sieht oder die Begleitumstände einer Partie alles andere als einen Sieg höchst unwahrscheinlich erscheinen lassen. Als Club-Fan kann man da sein eigenes Liedchen singen, verlor doch der Club in der Vergangenheit besonders gern auch mal ein Heimspiel gegen direkte oder bereits abgeschlagene Konkurrenz im Abstiegskampf.

Namen wie Freiburg, Bielefeld, Bochum und Karlsruhe werden in dem einen oder anderen altgedienten Fan grausame Erinnerungen wecken. Für eben solche Erinnerungen dürfte seit dem vergangenen Samstag der 1.FC Kaiserslautern bei den Anhängern der Berliner Hertha sorgen. Tabellenletzter, sicherer Absteiger, seit 21 Spielen ohne Sieg – ein gefundenes Fressen für jeden Gegner. Nicht so für den Hauptstadt-Club! Man kann nur spekulieren welche Gedankengänge sich – vielleicht auch ganz und gar im Unterbewusstsein verborgen – sich im Kopf eines Profis vor einem solchen Match abspielen. Drehen sich die Gedankengänge nur um die Höhe des bevorstehenden Sieges? Ist man im Kopf vielleicht schon auf den Relegationsplatz gesprungen und befasst sich bereits mit der Verteidigung desselbigen? Oder malt man sich gar in schillernden Farben aus, wie man selbst zum Matchwinner und Helden gegen die Roten Teufel wird? Was immer es auch gewesen sein mag, in den Köpfen der Herthaner muss sich am Samstag reichlich viel davon abgespielt haben. Das Resultat: gelähmte Beine und das Erwachen in der brutalen Realität als alles bereits verloren war. Abstiegsangst Hausmacher Art nach Originalrezept von Michael Preetz – herzlichen Glückwunsch! Auch wenn dem Club aus der Hauptstadt noch zwei Spiele bleiben, dürfte diese Niederlage noch für ein Nachspiel sorgen: im Verein, im Umfeld und vor allem in den Köpfen der Protagonisten. Das Kölner 1:1 gegen den VfB Stuttgart wirkte ob der deutlich verbesserten kämpferischen Leistung der Geißböcke da schon wie ein Meilenstein zum Klassenerhalt – oder besser gesagt zum Nachsitzen in der Relegation.

Dass die Niederlage der Hertha nicht zu einer deutlichen Packung ausuferte, war übrigens einzig der einmal mehr frappierenden Abschlussschwäche der Roten Teufel zu verdanken. In Kaiserslautern jedenfalls hat man den Grund für den neuerlichen Abstieg bereits in der fehlenden Qualität der eigenen Stürmer entdeckt. Noch einfacher wäre es nur gewesen, die mangelnde Größe der Bundesligatore vorzuschieben. Denn dass man auch ohne Goalgetter die Klasse halten kann, hat ein anderer Club eindrucksvoll bewiesen. Sind wir doch einmal ehrlich, hätte wohl keiner von uns nach der Hinrunde noch einen Pfifferling auf den Klassenerhalt des SC Freiburg gewettet, oder? Tabellenletzter mit mageren 13 Punkten, Trainerentlassung und schließlich noch der Verkauf von Ausnahme-Torjäger Cissé – der Gang in die Zweitklassigkeit schien nicht abwendbar. Doch mit einem etwas anderen Trainer und einer Truppe von jungen Nobodys wurden 24 Punkte in 15 Spielen geholt und die Klasse frühzeitig gehalten. Eine Leistung der man Anerkennung zollen muss, nicht zuletzt auf Grund der sagenhaften Jugendarbeit im Breisgau!

Beim Stichwort Jugendarbeit wird sich nach dem Exkurs durch die Niederungen der Tabelle nun auch wieder der gemeine Club-Fan angesprochen fühlen. Da war doch etwas! Hatte nicht der Club mit einer blutjungen Mannschaft in der vergangenen Saison für Furore gesorgt und ganz Fußball-Deutschland überrascht? Inzwischen zeigt sich, dass Spieler wie Gündogan und Schieber auch feste Größen in Vereinen mit offenkundig höheren Ansprüchen sein können. Das dürfte in naher Zukunft ebenso für Wollscheid oder Didavi gelten. Unbestreitbar gibt es beim Club einen hervorragenden Riecher für hungrige Jungprofis und darüber hinaus ein noch wesentlich bedeutenderes Geschick, das Talent dieser Spieler auch in regelmäßig erbrachte Leistung umzuwandeln. Der Club könnte zum zweiten Mal in Folge die 40 Punkte-Marke der Bundesliga knacken – wohl gemerkt erst zum vierten Mal seit Einführung der 3-Punkte-Regel. Da diese Leistung auf einen gravierenden Umbruch im Kader folgte, kann man als Fan mehr als zufrieden sein und den Herren Bader und Hecking von Herzen gratulieren. Gleichzeitig aber sollte man keine Luftschlösser bauen. Der Club hat letztlich souverän die Klasse gehalten und rangiert in der Tabelle erneut auf Höhe von Mannschaften wie Wolfsburg, Bremen oder Hoffenheim. Dennoch wird man wohl wieder Leistungsträger ziehen lassen müssen, weil andere Clubs mit dem großen Geld winken. Für uns alle wird es nicht die letzte schwere Saison gewesen sein und es gilt, irgendwann in der Zukunft ohne gravierende Umbrüche in eine Saison zu starten. Für mich stellt Hannover 96 inzwischen ein nettes Vorbild dar, zeigt sich hier doch ganz gut, wie lange sich ein Verein in der Bundesliga konsolidieren muss, um schließlich auch höhere Ziele anstreben zu können. Obwohl Geduld nicht unbedingt zu meinen Stärken zählt, habe ich – gerade mit den abschreckenden Beispielen aus Berlin und Köln vor Augen – größtes Vertrauen in die verantwortlichen beim Club!

Für das CEF Michael Rosenzweig

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23.04.2012 10:12 | Michael Rosenzweig