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Sport-Chef Martin Bader

Die Macher beim Club...

Als der 1.FC Nürnberg als frischgebackener Absteiger in die Zweitligasaison 2003/04 startete, steckte den treuen Fans das Armutszeugnis der vorangegangenen Bundesligarückrunde noch spürbar in den Knochen.

Ganze neun Punkte hatte der FCN aus 17 Spielen geholt, der Abstieg traf den Club folgerichtig und verdient. Mehr als nur eine Folgeerscheinung war das Trauerspiel, das die sportliche Führung beim fränkischen Traditionsverein zeitgleich ablieferte. 

Die Scharmützel und Streitigkeiten um Präsident Roth, Manager Geenen und Trainer Augenthaler hatten einmal mehr nahtlos an die skandalträchtige Vergangenheit des 1.FC Nürnberg angeknüpft. Als im November 2003 ein gewisser Martin Bader einen Vertrag beim Club erhielt und am 02. Januar 2004 seinen Dienst als Sportdirektor antrat, erschien diese Personalie reichlich unspektakulär. Ja, der Name Bader dürfte wohl nur absoluten Insidern etwas gesagt haben, wenngleich der „Neue“ mit der Referenz, im Schatten von Dieter Hoeneß die Geschicke der Abteilung Fußball bei Hertha BSC geleitet zu haben, zum FCN kam.

Nur ein Jahr später hatte sich das Bild beim Club bereits gewandelt. Der in der Vorrunde taumelnde Favorit war souveräner Meister geworden, aus einem zusammengewürfelten Haufen von Haudegen, Unbekannten und Talenten war ein echtes Team entstanden, das auch in der kommenden Bundesligasaison für Furore sorgte. Auf dem Platz sorgten Mintal, Vittek und Co. für frischen Offensivfußball, doch im Hintergrund zog Martin Bader in aller Ruhe die Fäden und behauptete sich gar gegen den übermächtigen Präsident Roth.

Die neue Marschroute beim Club war klar: Ruhe bewahren, Skandale vermeiden, finanziell konsolidieren. Der Club geriet in der Folge nicht nur in ruhigeres Fahrwasser, er verbesserte sich sogar stetig. Nach und nach lotste Martin Bader Spieler ins Frankenland, die nicht nur aus rein sportlicher Sicht ein Gewinn waren, sondern sich darüber hinaus auch voll und ganz mit dem Club identifizierten. Pinola, Mnari, Polak oder Galasek brachten den so lange vermissten internationalen Glanz zurück auf den Nürnberger Rasen und erreichten den Schulterschluss mit den Fans. Unter Baders vorausschauender Arbeit kletterte der Club von Platz 14 (2005) auf Platz 8 (2006) und gar auf Platz 6 im Jahr 2007. Der gleichzeitig in einem dramatischen Finale erkämpfte Pokalsieg bedeutete nicht nur den ersten Titel nach 39jähriger Abstinenz, er war vor allem die logische Folge einer kontinuierlichen und konsequenten Vereinspolitik von Martin Bader.

Ja, seitdem Martin Bader die sportlichen Geschicke beim 1.FC Nürnberg leitet, stimmt nicht nur das Umfeld, es passt auch in der Mannschaft - sportlich wie charakterlich. Selbst als der Club 2008 einmal mehr in Schieflage geriet und als amtierender Pokalsieger den bitteren Gang in die Zweitklassigkeit antreten musste, gab es weder Stinkstiefel noch Disziplinlosigkeiten im Team. Auch Spieler wie Koller, Charisteas oder Blazek, an denen der frustrierte Club-Fan so gerne die sportliche Misere festmachte, hatten sich charakterlich jederzeit einwandfrei verhalten. Dennoch hatte man den Erfolg beim FCN nur viel zu kurz auskosten können, mit einer eigentlich unabsteigbaren Mannschaft war man abgestiegen. Während das Umfeld die Vereinsoberen verteufelte und kritisierte, krempelte Manager Bader erneut die Ärmel hoch. Den Club im Stich lassen? Das kam für den Schwaben nicht in Frage! Hatte der Sportdirektor zuvor noch im Schatten der erfolgreichen Trainer Wolf und Mayer operiert, so stand er spätestens nach dem kurzzeitigen Trainer-Missverständnis Thomas von Heesen als Hauptverantwortlicher im Fokus der Kritik. Und der weitere Weg sollte sich als überaus steinig erweisen, denn obwohl die Publikumslieblinge Mintal und Pinola für eine Saison in der Zweitklassigkeit gehalten werden konnten und Bader Keeper Raphael Schäfer zurück an den Valznerweiher holte, hinkte der 1.FC Nürnberg den Ansprüchen lange Zeit hinterher. Der Club taumelte durch die 2. Liga, das aus der Not geborene Konzept, künftig mit einem unbekannten Trainer und jungen, hungrigen Spieler zum Erfolg zu kommen, wackelte gewaltig, und erstmals stand auch Sportdirektor Bader zur Diskussion. Aber in der ihm eigenen Art stellte sich Martin Bader der Kritik, suchte auch im Misserfolg das Gespräch mit den Fans und ging letztlich gestärkt aus der Krise hervor. Über den Umweg der Relegation stieg der Club am Saisonende auf, und das neue Jugendkonzept griff anschließend auch in der Bundesliga, nicht zuletzt weil Bader mit Dieter Hecking einen weiteren wichtigen Baustein für das durchdachte Erfolgsrezept an Bord holte.

Inzwischen hat sich der 1.FC Nürnberg in der Bundesliga konsolidiert und in der Nachwuchsförderung erste Erfolge vorzuweisen. Das Nachwuchsleistungszentrum boomt, der Club ist zu einer Anlaufstelle für Jugendnationalspieler geworden, die hier auf kürzestem Weg zu Einsatzzeiten in der Bundesliga gelangen. Diese beachtliche Entwicklung ist der herausragenden Arbeit von Martin Bader zu verdanken, der zu einer verlässlichen Konstante des fränkischen Traditionsvereins geworden ist. Besonders angenehm fällt dabei auf, dass sich Sportökonom Bader in all den Jahren, in Erfolgen und Misserfolgen, nie verbogen hat. Seine Linie war stets klar und konsequent, sein Auftreten immer geprägt von sachlicher Nüchternheit. Martin Bader ist kein phrasendreschender Ex-Profi, keiner dieser cholerischen oder durch und durch zynischen Bundesligamanager. Nein, Nürnbergs Sportdirektor hat seine eigene Linie – geradlinig, sachlich und selbst in der Niederlage immer fair. Diese Art kommt gut an, nicht nur beim Club, sondern in ganz Fußball-Deutschland. Doch besonders als langjähriger Fan des 1.FC Nürnberg weiß man die Person Martin Bader zu schätzen, hat man doch schließlich die dunklen Jahre des ehemaligen Skandalvereins noch in bester Erinnerung. Inzwischen ist unser Club wieder auf Kurs, und uns Fans bleibt nur zu hoffen, dass Martin Bader dem Verein noch viele Jahre erhalten bleibt und den 1.FC Nürnberg zu seinem beruflichen Lebenswerk macht.

Für das CEF Nürnberg Michael Rosenzweig

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30.07.2012 08:53 | Clubexpertenforum

Foto CEF Nürnberg