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Die Legende lebt…
CEF Spezial für Marek Mintal
Tausende Club-Fans besingen mit dieser Hymne vor jedem Heimspiel ihren 1.FC Nürnberg.
Klar, die Legende, das ist der Club. Aber kann ein Fußballverein überhaupt eine Legende sein? Denn eigentlich waren und sind es immer Menschen – Spieler, Trainer oder Fans – die eine Legende erwecken und am Leben halten. Ich behaupte also: Ohne die vielen kleinen Geschichten und Anekdoten, ohne die Triumphe und Pleiten seiner Mannschaften, ohne die vielen ureigenen Charaktere, die der Club in seiner inzwischen 112jährigen Geschichte hervorgebracht hat, wäre der 1.FC Nürnberg eben „nur“ ein Verein, eine juristische Person, nicht aber die von uns besungene Legende!
Als waschechter „Glubberer“ kennt man sie alle, die großen Spieler der goldenen 20er Jahre, die (Nach) Kriegsgeneration um Morlock, Herbolsheimer oder „Zapf“ Gebhardt, die 68er Meistermannschaft und die vielen „Unvollendeten“, die mit dem Club durch die jahrzehntelange sportliche Diaspora gingen. Hier ist der Begriff „Legende“ nun tatsächlich angebracht, sprechen wir hier doch schließlich über große Namen und Taten, die viele Angehörige der heutigen Fan-Generation nicht miterleben durften. Das Wort Legende klingt dabei einfach und selbstverständlich, ist aber im modernen Fußballsport vom Aussterben bedroht. In Zeiten von Kommerz und astronomischen Ablösesummen gelten längst andere Maximen als die buchstäbliche Vereinstreue, sind hoch dotierte Werbeverträge offenkundig wichtiger als sportlicher Erfolg. Um so erbaulicher – ja beinahe schon revolutionär – erscheint es da, wenn zwischen einer Unzahl glatter und gleichförmiger Fußballprofis eben doch einmal wieder ein Spieler auftaucht, der den Titel Legende wirklich verdient. Ja, eine Legende, ein Novum, ein Zeitloser, einer eben wie Marek Mintal!
Mintal – Marek Mintal – ein Name, der uns Club-Fans seit nunmehr neun Jahren elektrisiert, der uns selbst in dunkelsten Fußballstunden ein glückseliges Lächeln ins Gesicht zaubern konnte, der für uns in dieser Zeit viel mehr „der Club“ war als jeder andere.
Mintal, der Slowake, das Phantom – einer, der immer alles für den Club gegeben hat, auch wenn man ihn auf dem Platz oft gar nicht recht gesehen hat. Ein Spieler mit brillanter Technik, mit viel – oftmals gar zuviel – läuferischem Einsatz und mit einem Torriecher, der einem Gerd Müller zu Ehren gereicht hätte.
Marek Mintal – der Bodenständige, der Familienmensch, der etwas andere Profi mit dem stets sympathischen Lächeln und den bescheidenen Interviews. Seine Art kommt an bei uns Club-Fans, denn Marek Mintal ist, wie er eben ist: eine durch und durch ehrliche Haut! Ein Spieler, der einem noch glaubhaft die reine Freude am Fußballsport vermittelt, dem man noch ohne weiteres abnimmt, dass der richtige Verein und ein homogenes Umfeld eben doch mehr bedeuten können als millionenschwere Verträge. Gerade deswegen ist Marek Mintal für mich der einzige neuzeitliche Profi beim Club, den ich mir auch ohne weiteres in den großen Nürnberger Mannschaften der 20er Jahre oder zwischen Strehl, Brungs und Wenauer beim letzten Meistertitel anno ´68 hätte vorstellen können. Ja, einer wie Mintal hätte auch in diese Mannschaften gepasst! Zwischen all den großen Namen hätte er sich eingefügt und wäre dennoch hervorgestochen – sportlich wie menschlich. Marek Mintal ist eine Legende!
Denkt man an eine Legende, so steigen unweigerlich Erinnerungen vor dem geistigen Auge auf. Und in der Club-Vergangenheit von Marek Mintal mangelt es nun wirklich nicht an Geschichten, an Höhen und Tiefen. Dabei hatte sein Weg beim FCN noch unspektakulär begonnen. Denn als Mintal nach Franken kam, war der 1.FC Nürnberg einmal mehr abgestiegen und der damalige Trainer Wolfgang Wolf siebte kräftig durch. Zwischen all den Vlademirs, Mandras, Fernandos und Oktays befand sich auch ein Slowake. Für schlappe 150.000 Euro hatte man den unbekannten Torschützenkönig von Meister MSK Zilina an die Noris geholt, einen Mittelfeldspieler wohlgemerkt, der beim Club als klassischer Zehner angepriesen wurde. Aber Mintal war anders, er spielte unspektakulär und nahezu unsichtbar, und nach kurzer Anlaufzeit gelang ihm das, was ihn in der Folge gleichsam unverwechselbar wie unverzichtbar machte: Tore am Fließband. In der ersten Saison waren es 18 Treffer, die Marek zu Aufstieg und Zweitligameisterschaft beisteuerte. Und diese Marke sollte Mintal noch übertreffen, denn in seiner ersten Bundesligasaison erreichte er die für einen Mittelfeldspieler sensationelle Anzahl von 24 Treffern und wurde Torschützenkönig – als erster und bislang einziger Nürnberger in der Bundesligageschichte. Trotz seines Erfolges blieb Mintal dem Club auch in der Folge treu, und der Verein seinerseits bekam die Gelegenheit seinem slowakischen Goalgetter in dessen Leidenszeit die Treue zu halten. Denn mit zwei aufeinanderfolgenden Mittelfußbrüchen war der Publikumsliebling knappe anderthalb Jahre außer Gefecht. Doch Mintal kam zurück und sorgte postwendend für Momente, wie sie eben nur eine echte Legende verursachen kann. Welcher Club-Fan hatte keine Gänsehaut als Marek Mintal kurz vor Ende des Halbfinalspiels im DFB-Pokal gegen die Frankfurter Eintracht eingewechselt wurde? Wen sonst hätte man in der Rolle des tragischen Helden im Pokalfinale – in dem er erst zum Ausgleich traf und nach einem brutalen Foul verletzt ausgewechselt werden musste – derart vergöttert, wenn nicht Marek Mintal? Auf wen konnte man sich verlassen, als der Club im Europokal gegen Alkmaar mit dem Rücken zur Wand stand? Und wer tat sich noch einmal als Führungsspieler und Goalgetter hervor, als es darum ging, noch einmal eine Aufholjagd in Liga 2 mit dem sofortigen Wiederaufstieg zu krönen? Der Club ohne Marek Mintal, das ist inzwischen nur noch schwer vorstellbar. Und so erwischte ich mich als eingefleischter Glubberer in der vergangenen Saison mehrfach dabei, wie ich mich diebisch über Mintal-Tore für Hansa Rostock gefreut habe.
Ja, als Marek Mintal im vergangenen Jahr beim Heimspiel gegen Hoffenheim verabschiedet wurde, war ich sicher nicht der Einzige „Glubberer“, dem die Augen feucht wurden, während die vielen großartigen Mintal-Momente noch einmal in der Erinnerung aufkamen. Damals war klar, dass es nur ein Abschied auf Zeit werden würde, und heute ist Marek wieder beim Club! Auch wenn unser Phantom nur noch für die 2. Mannschaft auflaufen wird, so zählt doch vor allem, dass eine echte Legende in den Schoß der Club-Familie zurückkehrt. Der 1.FC Nürnberg tut das einzig Richtige, etwas, das beim Club nicht selbstverständlich ist: Er ehrt den Musterprofi mit einem offiziellen Abschiedsspiel gegen den Deutschen Meister. Egal, ob man es nun als Abschiedsspiel oder – wozu ich tendiere – als Willkommensgruß für den Heimkehrer betrachtet, es kann und soll ein würdiger Auftritt werden. Unser Marek hat immer seine Liebe zum Club betont und – was noch viel wichtiger ist – sich auch entsprechend verhalten. Am Samstag haben wir Club-Fans nun noch einmal die Gelegenheit, einem großen Spieler unsere Zuneigung und Dankbarkeit zu bekunden. Ein Muss für jeden, durch dessen Adern rot-schwarzes Blut fließt.
Für das CEF Nürnberg Michael Rosenzweig
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